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Feministische und queere politische Ökologie

Autorinnen: Carolin Meyer, Anne Sophia Knoll

Einleitung

In diesem Beitrag mit dem Titel Feministische und queere politische Ökologie wird versucht, die bereits verankerte bestehende Verbindung in den Köpfen der Gesellschaft zwischen Frau und Natur kritisch zu hinterfragen.
Hierzu stellen sich die Verfasserinnen dieses Blogeintrags vorab die Frage, warum in Pflegeberufen und vielen Berufen der Dienstleistung nicht nur deutlich mehr Frauen aktiv beschäftigt sind, sondern oftmals zudem eine männliche Berufsbezeichnung fehlt. Dies führt häufig zu einer unbewussten Assoziation und geschlechtlichen Einteilung bestimmter Berufe, wie beispielsweise folgende Berufe nach Auffassung der Verfasserinnen besonders deutlich zeigen: Der Polizist, Bauarbeiter gegenüber der Hebamme, Krankenschwester, Kindergärtnerin und Flugbegleiterin.
Das Beispiel der Berufskategorien zeigt, dass Feminismus und die Genderdebatte in der Gesellschaft heute immer noch eine große Rolle spielen und eine Ungleichheit zwischen den traditionellen Geschlechtern besteht. Diese Ungleichheit spiegelt sich in einem bis heute andauernden Kampf der Frauen um ihr Recht für eine Gleichstellung der Geschlechter wider. Ein historisch gesehen aktuelles Beispiel ist das Frauenwahlrecht in der Schweiz, welches erst vor rund 50 Jahren gesetzlich verankert wurde.
Wie schon der Titel erahnen lässt, ist die Leitfrage des vorliegenden Blogeintrags den Zusammenhang zwischen Geschlecht und Ökologie zu untersuchen. Die häufig erklärte Nähe der Frau zur Natur wird auch im religiösen Sinne als ursprünglich und bedeutsam angesehen (‚Mutter Natur).
Um im Folgenden die Bereiche Feminismus und Ökologie zusammenzudenken, muss der Gedanke von dem weiblichen Geschlecht im Zusammenhang mit der Natur gelöst und erweitert werden. Hierzu wird anfangs der Werdegang feministischer Debatten beschrieben. Im Kapitel ‚Umwelt und Geschlecht‘ werden Umweltfragen, Naturverhältnisse und Geschlecht anknüpfend an die feministischen Debatten näher beleuchtet. Daraufhin werden zentrale Autorinnen und Feministinnen vorgestellt. Die drei Forschungsschwerpunkte feministische Ökonomie, Ökofeminismus und Queer Ecologies von Prof. Dr. Christine Bauhardt stellen den Kern dieses Blogeintrags dar. Abschließend werden die Geschlechterverhältnisse anhand des Beispiels des Klimawandels konkretisiert, ein Fazit gezogen und ein Ausblick in der aktuellen globalen Krise der Corona-Pandemie gegeben.


1 Werdegang feministischer Debatten

Der Werdegang feministischer Debatten lässt sich in drei Wellen gliedern. Die erste Welle entstand etwa Mitte des 19. Jahrhunderts (vgl. Von Bargen o. J., S. 1). Doch bei präziserer Betrachtung lässt sich feststellen, dass bereits während der Zeit der Französischen Revolution, feministische Debatten ihren Anfang nahmen. Als eine der wichtigsten Vertreterinnen des Feminismus ist in dieser revolutionären Phase Olympe de Gouge zu nennen. De Gouge forderte eine Erweiterung der drei Grundprinzipien der Französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, da diese nur den Bürger als (weißen) Mann betrachtet, und die Menschenwürde der Frau als Subjekt – analog zum Mann – missachtet wird. Der Artikel IV der Erklärung der Rechte der Frau und der Bürgerin, welcher im September 1791 in Frankreich von Olympe de Gouge veröffentlicht wurde, gehört zu einem der relevantesten feministischen Texte der Geschichte (vgl. Holland-Cunz 2018, S. 1). Damit reagierte sie auf die Erklärung der Rechte des Mannes und des Bürgers von der Nationalversammlung Frankreichs.  
De Gouge kritisierte damals die Ungleichheit zwischen (weißen) Männern und Frauen. Auch heute muss darauf geachtet werden, dass nicht alle Frauen gleich zu betrachten sind (vgl. Holland-Cunz 2014, S. 8).
Die Bewegungen und die Proteste zum Wahlrecht für Frauen ab Mitte des 19. Jahrhunderts lösten die erste Welle feministischer Debatten aus (vgl. Von Bargen o. J., S. 1). Die Ziele des Protests aus westlicher und europäischer Sicht waren neben dem Wahlrecht auch das Recht auf Erwerbstätigkeit sowie Bildung bzw. der gleichberechtigte Zugang zu Universitäten und Hochschulen für Frauen (vgl. ebd.). Diese Anfang des 20. Jahrhunderts organisierten Frauenrechtler:innen werden auch als Suffragettenbezeichnet und gründeten sich erstmalig in Großbritannien und den Vereinigten Staaten (vgl. Gerhard 1982, S. 52). Durch Ungleichheit in Bildung und Ausbildung innerhalb der patriarchalen Gesetzgebung in dieser Zeit wurden feministische Debatten immer stärker und lauter. Das führte in Europa unter anderem auch zu einem vermehrten Engagement von Frauen im frühen Natur- und Tierschutz, weil sie weder in Vereinen noch in der Verwaltung oder Wissenschaft herausragende Ämter besetzten (vgl. Ahr 2014, S. 6). Den Beginn der zweiten Welle markierte die 1968er Studentenbewegung. Innerhalb dieser Bewegung wurde das “Machoverhalten“ der Männer kritisiert, weil diese die Verhältnisse zwischen den Geschlechtern nicht thematisiert und benannt hatten. Deshalb bildeten viele Frauen innerhalb der 68er-Bewegung eigene Gruppierungen. Aktionen von Frauengruppen trugen immer mehr zum Selbstempowerment von Frauen bei.

Unter anderem gründete Helke Sander 1968 mit anderen Frauen einen „Aktionsrat zur Befreiung der Frauen“ (vgl. Kortas; Holzki 2017, S. 1). Des Weiteren wurden körperliche Bestimmungsrechte, wie bspw. Verhütung oder Schwangerschaftsabbruch, aufgegriffen. Die Pille wurde 1960 in Deutschland auf den Markt gebracht und galt als zentrales Moment der Emanzipationsbewegung. Frauen forderten Selbstbestimmung über ihren eigenen Körper im Zusammenhang mit Sexualität und Schwangerschaft (vgl. Kray 2017, o. S.). Anfang der 1970er protestierten vermehrt Frauen gegen den Abtreibungsparagrafen §218. Dieser besagte, dass es Frauen verboten sei, ihre Schwangerschaft abzubrechen. Ein Netzwerk einzelner Frauengruppen aus der ganzen Bundesrepublik bildete die Aktion 218, benannt nach dem Abtreibungsparagrafen (vgl. FMT 2019, S. 1). Erst im Jahre 1992 wurde ein Schwangerschaftsabbruch innerhalb der ersten zwölf Wochen legalisiert (vgl. ebd.). Historische Momente wie diese sind nicht nur nennenswert im Zusammenhang der zweiten Welle feministischer Debatten, sondern zählen zu den neuen Praktiken der Selbstermächtigung
Der Austausch über individualisierte Erfahrungen führte zu einem Gemeinschaftsgefühl und einem Kampf  gegen die patriarchalen Strukturen der Gesellschaft. Als Folge dieser Bewegungen entwickelten sich Frauenzentren, Frauenhäuser und Kinderläden, die von Frauen für Frauen zumeist selbstverwaltet organisiert wurden (vgl. Von Bargen o. J., S. 1). Die Unterscheidung zwischen dem biologischen und sozialen Geschlecht wurde vor allem von Simone de Beauvoir in ihrem Buch Le Deuxième Sexe (Das andere Geschlecht) thematisiert. Ihr bis heute umstrittenes und provokantes Zitat „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es“ (Buchmüller; Joost 2009, S. 73) soll darauf aufmerksam machen, dass erst die gesellschaftlichen Strukturen einen Menschen zur Frau machen.
Ein wichtiges Datum in der Geschichte der Frauenbewegung war das Jahr 1975, an dem die erste UN-Weltfrauenkonferenz stattfand. In den 1970er Jahren gab die autonome Frauenbewegung wesentliche Anstöße zur Entwicklung der Frauenforschung, um eine Veränderung der eher patriarchal strukturierten Gesellschaft zu erreichen.
1985 kam die dritte UN-Weltfrauenkonferenz zustande. Dort wurde eine politische Antwort auf die Fragen, die sich aus der Geschlechterforschung ergaben, gefunden. Die Antwort hieß Gender-Mainstreaming. Das Ziel davon ist, dass die Lebenssituation und das Interesse von Frauen und Männern von vorneherein bei allen politischen Entscheidungen mit einbezogen werden müssen.
Die dritte Welle feministischer Debatten begann ab Ende des 20. Jahrhunderts. Diese zeichnete sich dadurch aus, dass vermehrt über den Unterschied zwischen dem biologischen und sozialen Geschlecht (Sex und Gender) diskutiert wurde. Dadurch wurden Themen wie Sexualität, Hautfarbe und Herkunft an die Oberfläche gebracht und der “Queerfeminismus“ fand seinen Ursprung.

„Vor allem jüngere Frauen der feministischen Bewegungen um die Jahrtausendwende riefen Frauen dazu auf, nicht über Ungleichheit zu klagen, sondern selbstbewusst ihre Rechte in Besitz zu nehmen. Das Selbstbewusstsein der jungen Frauen kann sich jetzt auch auf die weite Verbreitung von geschlechterdemokratischen Konzepten wie das des europaweiten Gender-Mainstreaming stütze. Feminismus scheint sich immer weiter auszudifferenzieren und zu einem lebhaften Diskurs zwischen vielen verschiedenen Positionen zu werden. So beziehen neuere theoretische und praktische Konzepte von Feminismus die postkoloniale Kritik an der unhinterfragten westlich-weißen Denk- und Lebensweise ebenso ein wie die Kritik an festgelegten Geschlechtsidentitäten mit Heterosexualität als allgemein verbindlicher Orientierung“.

(von Bargen o. J., S. 1)

In Bezug auf Gender Studies galt Judith Butler in den 90er Jahren als eine der wichtigsten Vertreterin. Ihr bekanntestes Werk ist Gender Trouble (Das Unbehagen der Geschlechter).
Hierin diskutiert sie die Performanz des Geschlechts (Doing Gender). Kritisiert wird die Konstruktion des biologischen (sex) und sozialen Geschlechts (gender) sowie die umstrittene Zweigeschlechtlichkeit. Butlers Ansatz war der Anstoß für die Queer-Theorie. Die US-Amerikanerin macht in ihrem performativen Modell deutlich, dass die geschlechtliche und sexuelle Identität durch äußere Zuschreibungen, gesellschaftliche Erwartungen dynamisch zwischen Menschen erzeugt wird und somit immer veränderbar ist (vgl. ebd.).
Ein weiterer Ansatz der dritten feministischen Welle lag in der Kritik an der Vereinnahmung durch einen weißen, westlichen Feminismus. An diesem Punkt ist die in Indien geborene Feministin Chandra Talpade Mohanty zu nennen, die mit ihrem Werk Feminism without Borders intersektionale Ansätze und verschiedene Diskriminierungsstrukturen und Machtverhältnisse in den Fokus feministischer Debatten rückte (vgl. Duke University Press o. J., S. 1).
Mohanty widmet sich der Fragen, wie Solidarität über Grenzen hinweg gelebt werden kann (vgl. ebd.). Ihr Anliegen liegt in der Dekolonialisierung und Demokratisierung feministischer Praktiken und bringt den Feminismus auf eine globale Ebene.
Abschließend sollte zur dritten Welle die relevante vierte UN-Weltfrauenkonferenz 1995 erwähnt werden, die in Peking stattfand. Innerhalb dieser wurden Ziele und Maßnahmen definiert, um die Rechte von Frauen zur Gleichstellung der Geschlechter zu realisieren.

Abbildung 3: DUKE University Press o.J., S.1

2 Umwelt und Geschlecht

Das folgende Kapitel dient dazu, den Zusammenhang zwischen Geschlechterfragen und Umwelt- bzw. Naturverhältnissen innerhalb des Werdegangs der feministischen Debatten zu beleuchten und somit das vorherige Kapitel in diesem Punkt zu ergänzen. Zusätzlich hilft es, die in Kapitel fünf vorgestellten Forschungsschwerpunkte und in Kapitel sechs das Beispiel des Klimawandels in einem Zusammenspiel zu sehen und miteinander zu verknüpfen.
Wichtig im Kontext von Feminismus und Ökologie ist in der Zeit der zweiten Welle der Frauenbewegung das Reaktorunglück 1986 in Tschernobyl zu nennen. Ab dem Zeitpunkt gab es in Europa eine intensivere Auseinandersetzung mit der Frage, inwiefern die Beziehung zwischen Menschen und ihrer Umwelt etwas mit der Verteilung von gesellschaftlichen Aufgaben und Macht zwischen Männern und Frauen zu tun haben (vgl. Katz 2006, S. 207f.). Aus einer regionalen Katastrophe wurde ein globales Problem, was vor allem Folgen für die Ernährung und Gesundheit von Frauen, die für den Familiennachwuchs Verantwortung trugen, hatte. Aufgrund dieser Umweltkatastrophe engagierten sich immer mehr Frauen für den Umweltschutz und der alternativen Energienutzung im Gegensatz zur Atomkraft (vgl. ebd., S. 208).
Sechs Jahre nach der Umweltkatastrophe von Tschernobyl und innerhalb der dritten Welle der feministischen Debatten fand 1992 die United Nations Conference on Environment and Development (UNCED) in Rio de Janeiro statt. Der Ausgangspunkt war der Zusammenhang zwischen Umweltzerstörung und Frauenbenachteiligung. Dieser Zusammenhang äußerte sich darin, dass Umweltgefährdung vor allem im Globalen Süden an Existenzfragen gekoppelt und Frauen davon stärker betroffen sind als Männer (vgl. Katz 2006, S. 207). Auf dieser Konferenz wurde zum ersten Mal dokumentiert, dass ohne Geschlechtergerechtigkeit keine nachhaltige Entwicklung erreicht werden kann. Geschlechteraspekte werden seitdem in den meisten der nachhaltigkeits- und umweltbezogenen UN-Veranstaltungen thematisiert. Seit 1997 ist das Gender-Mainstreaming auf europäischer Eben im Amsterdamer Vertrag verankert. 1999 etablierte die deutsche Bundesregierung das Gender-Mainstreaming als verbindliches Instrument zur Realisierung von Gleichberechtigung der Geschlechter (vgl. ebd., S. 207). In der Neuauflage der UNCED im Jahre 2012 wurden jedoch Geschlechterverhältnisse kaum noch berücksichtigt. Ziel war es eher, Nachhaltigkeit durch eine “grüne“ Marktwirtschaft zu erreichen (vgl. Holland-Cunz 2014, S. 32).

3 Zentrale Autor:innen

Der Werdegang feministischer Debatten beruht auf ihren Akteuren:innen. Um die Bedeutsamkeit dieser zu betonen, werden in dem folgenden Kapitel Zentrale Autoren:innen und ihre individuellen Biografien vorgestellt. Neben den bereits genannten Feministinnen Olympe de Gouge, Simone de Beauvoir und Chandra Talpade Mohanty lohnt es sich den Schwerpunkt einerseits auf deutsche Autor:innen zu legen, andererseits, wenn in diesem Blog über zentrale Autor:innen gesprochen wird, die bis heute die Debatte um den Feminismus geprägt haben, dürfen Professorinnen wie Donna Jeanne Haraway oder Judith Butler nicht fehlen.

Begonnen wird mit der Vorstellung von Prof. Dr. Christine Bauhardt, die sich dem Thema der feministischen Ökologie gewidmet hat. Sie wurde 1962 in Mannheim geboren und ist Politikwissenschaftlerin. Sie studierte in Freiburg, Marseille und Hamburg und ist seit 2005 Professorin für Gender und Globalisierung an der Humboldt-Universität zu Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf den gesellschaftlichen Natur- und Geschlechterverhältnisse, feministische Ökonomiekritik und Migration und Stadtentwicklung (vgl. Humboldt-Universität zu Berlin 2020, S. 1). Innerhalb dieser beschäftigt sich Bauhardt mit der theoretischen und politischen Raumplanung. Dabei betrachtet sie nicht nur die handelnden Akteure und Institutionen, sondern vor allem die Geschlechterverhältnisse innerhalb dieses Raums. In ihrem Aufsatz Feministische Ökonomie, Ökofeminismus und queer Ecologies – feministisch- materialistische Perspektive auf gesellschaftliche Naturverhältnisse aus dem Jahr 2012, der in Gender und ökonomischer Wandel erschien, spricht sie relevante Aspekte der feministischen und queeren Ökologie an, welche in Kapitel fünf ausführlich beschrieben werden.
Nennenswert ist weiterhin Prof. Dr. Sybille Bauriedl, die 1967 geboren und seit 2018 als Professorin für integrative Geographie an der Europa-Universität Flensburg tätig ist. Ihr Forschungsinteresse liegt auf der Problemstellung der lokalen Umweltgerechtigkeit, globaler Gerechtigkeit und Ressourcenkonflikten. Das führte sie zu der Herausgabe von verschiedenen Sammelbänden, wie unter anderem Ökonomisierung von Natur, Raum, Körper. Feministische Perspektiven auf sozialökologische Transformationen (vgl. Europa-Universität Flensburg 2020, S. 1).
Des Weiteren ist Prof. Dr. Sabine Hofmeister zu erwähnen. Sie ist Professorin für Umweltplanung am Institut für Nachhaltigkeitssteuerung an der Leuphana Universität Lüneburg (vgl. DNK o. J., S. 1). Sie forscht zu Themen wie soziale Ökologie, nachhaltige Raumentwicklung, Geschlechterverhältnisse und Nachhaltigkeit. Darüber hinaus ist sie Mitglied des deutschen Komitees für Nachhaltigkeitsforschung in Future Earth.
Dr. rer. nat. Christine Katz wurde im Jahr 1960 in Schwabach geboren und ist wissenschaftliche Angestellte der Leuphana Universität Lüneburg. Sie arbeitet an Projekten zu Klimafolgenanpassungen und Bildung sowie Nachhaltigkeitskompetenz und Gender (vgl. diversu o. J., S. 1). Christine Katz ist die Herausgeberin des Buches Nachhaltigkeit anders denken – Veränderungspotentiale durch Geschlechterperspektiven, das 2015 erschienen ist. Außerdem ist Katz erste Vorsitzende vom Institut für Diversity und Nachhaltigkeit (diversu).
Gemeinsam mit Prof. Dr. Sabine Hofmeister und Prof. Dr. rer. soc. Tanja Mölders veröffentlichte sie den Sammelband Geschlechterverhältnisse und Nachhaltigkeit. Die Kategorie Geschlecht in den Nachhaltigkeitswissenschaften. Tanja Mölders war Leiterin der Forschungsnachwuchsgruppe Politiken der Naturgestaltung – Ländliche Entwicklung und Agro- Gentechnik zwischen Kritik und Vision (PoNa) an der Leuphana Universität Lüneburg. Seit 2013 ist Mölders Junior-Professorin für Raum und Gender an der Leibniz Universität Hannover (vgl. Lagen 2020, S. 1).
Von 2008 bis 2014 war auch Dr. Daniela Gottschlich an der Leuphana Universität Lüneburg Leiterin der Forschungsnachwuchsgruppe PoNa. Gottschlich besuchte und lehrte zudem als Gastdozentin an diversen deutschen Universitäten, wie bspw. in Hamburg, Trier, Berlin, aber auch an der Free University of Bozen in Italien (vgl. Universität Trier o. J., S. 1).
Nach der Vorstellung deutscher feministischen Autorinnen sind abschließend zwei US-Amerikanerinnen zu nennen. Judith Butler ist 1956 in Cleveland, Ohio geboren und zählt zu den einflussreichsten Wissenschaftlerinnen und Philosophinnen der Gendertheorie. Seit 1993 ist sie Professorin an der University of California sowie Lehrstuhlinhaberin für Rhetorik und Komparatistik (vgl. GDI 2018, S. 1). Neben ihrem oben bereits genannten und viel zitierten Buch Gender Trouble publizierte Butler noch viele weitere Werke.
Zuletzt wird Donna Jeanne Haraway vorgestellt. Sie wurde 1944 in Denver, Colorado geboren und ist eine Naturwissenschaftshistorikerin und Frauenforscherin. Sie wird seit den 1990er Jahren als Feministin und dem Postmodernismus beschrieben. Der Fokus ihrer Arbeiten liegt auf den produktiven Machteffekten von sprachlichen Figuren in wissenschaftlichen und historischen Diskursen. Eines ihrer meist rezipiertesten Bücher lautet A cyborg manifesto (vgl. Holland-Cunz 2014, S. 136). Des Weiteren liegt Haraways Forschungsschwerpunkt in Studien zur Primatologie. Ihre Gedanken hierzu beinhalten die enge Zusammengehörigkeit von menschlicher und tierischer Sozialität (vgl. Katz 2006, S. 209). So verbindet sie die Emanzipationsbewegungen der Frauen in den 1960er und 70er Jahren mit den Eigenschaften weiblicher Tiere, die besonders aktiv und eigenständig in der Gruppe agieren (vgl. ebd.).

4 Forschungsschwerpunkte

Bei den drei Forschungsansätzen feministische Ökonomie, Ökofeminismus und Queer Ecologies wurde sich in diesem Blog an dem Text Feministische Ökonomie, Ökofeminismus und Queer Ecologies – feministisch-materialistische Perspektiven auf gesellschaftliche Naturverhältnisse von Christine Bauhardt aus dem Jahr 2012 orientiert.

4.1 Feministische Ökonomie

Zentrales Anliegen der feministischen Diskussionen ist die Krise der sozialen Reproduktion. An dieser Stelle ist auf die internationale Feministin, Philosophin und Aktivistin Silvia Federici zu verweisen. Für die Italienerin Federici ist die Reproduktionsarbeit der Frauen die bedeutendste Variable in der Produktionsfähigkeit des Kapitalismus. Diese unbezahlte Arbeit im Haushalt, in der Pflege und Familie wird häufig im liberalen Feminismus wie auch bei Karl Marx vernachlässigt und findet zu wenig Berücksichtigung (vgl. Eichinger 2020, S. 1). Federici setzt sich in ihren Forschungsarbeiten gedanklich und philosophisch mit feministischen Theorien, mit Bildung und Kultur im Globalen Süden sowie vor allem im weltweiten problematischen Kampf gegen die kapitalistische Globalisierung auseinander (vgl. Monoskop 2020, S. 1).
Dies ist ein Ansatzpunkt, um ökonomische und ökologische Krisen zu analysieren sowie theoretische und politische Perspektiven zu entwickeln, die neue Sichtweisen auf den Zusammenhang von Ökonomie, Gesellschaft und Natur erlauben. Die Krise der sozialen Reproduktion kann nicht getrennt von Umweltkrisen betrachtet werden. Denn Ungerechtigkeit entsteht durch die ungleiche globale Verteilung, Nutzung und Ausbeutung von Ressourcen. Mit Ressourcen versteht Bauhardt, wie auch Federici die Ausbeutung der unentgeltlich geleisteten Frauenarbeit. Diese Ungerechtigkeit kann nur bekämpft werden, wenn Wirtschaft, Gesellschaft und Natur in einem Gleichgewicht stehen. Die feministische Umweltforschung entwickelt, ausgehend von der Verknüpfung von gesellschaftlichen Naturverhältnissen mit den sozialen und ökonomischen Verhältnissen, Perspektiven für einen anderen gesellschaftlichen und politischen Umgang mit der Natur (vgl. Bauhardt 2012, S. 2).
Unter sozialer Reproduktion wird die unbezahlte geleistete Arbeit von Frauen im Bereich privater Versorgung und Fürsorge verstanden, die sogenannte “Care-Arbeit“. Zeitbudgetstudien verschiedener Länder zeigen, dass diese unbezahlte Arbeit im privaten Umfeld wirtschaftlich relevante Größen sind und nicht das Geld messen, sondern die Belastung in zeitlicher Form (vgl. ebd., S. 5). Bauhardt führt das Beispiel aus der Schweiz an, welches zeigt, dass Frauen mit ihrer unbezahlten Arbeit eine Bruttowertschöpfung erzielen, die ungefähr die gesamte Bruttowertschöpfung des gesamten Finanzsektors der Schweiz entspricht. Dies führt zu Überlastung und Überforderung der Menschen, bzw. mehrheitlich der Frauen, die die Verantwortung für die soziale Reproduktion tragen.
Der marxistische Arbeitsbegriff ist die warenproduzierte Lohnarbeit, die Güter für den Tausch gegen Geld produziert. Das feministische Verständnis von dem marxistischen Arbeitsbegriff betont, dass die unbezahlte Arbeit von Frauen die Grundlage für die kapitalistische Reproduktion ist. In der individuellen Reproduktion im Alltag, dementsprechend die “Care-Arbeit“ und die generative Reproduktion, also die potentielle Gebärfähigkeit. Die nicht entlohnte Hausarbeit ist ein Grund für die Unterordnung der Frau unter den Mann und trägt zur Vergesellschaftung von Frauen als patriarchales Ausbeutungsverhältnis bei. Mit der feministischen Ökonomiekritik versteht Bauhardt also die Ausbeutung der weiblichen Arbeitskraft (vgl. ebd., S. 6).

4.2 Ökofeminismus

Der Ökofeminismus geht von einer strukturellen Ähnlichkeit der kapitalistischen Ausbeutung und Beherrschung der Natur und der weiblichen Produktivität aus. Die Grundvoraussetzung für die Überwindung des Kapitalismus ist aus feministischer Perspektive die Beendigung der Dominanz über Natur und Frauen.

„[…] [S]owohl Frauen und ihre Fähigkeit, Leben zu ‚produzieren’, als auch die ‚Produkte’ der Natur werden im Kapitalismus außerhalb des Lohnverhältnisses angeeignet und ausgebeutet: ‚Natur‘ ist billig, gar gratis. Sie braucht keinen Lohn für ihre Arbeit und keinen Preis für ihre Produkte. Sie hat keine Bedürfnisse und braucht nicht erneuert zu werden“.

(Bauhardt 2012, S. 9)

Bauhardt unterscheidet in ihrem Text Feministische Ökonomie, Ökofeminismus und Queer Ecologies – feministisch-materialistische Perspektiven auf gesellschaftliche Naturverhältnisse zwischen dem kulturellen Ökofeminismus und dem sozialen Ökofeminismus. Innerhalb des kulturellen Ökofeminismus wird die Nähe von Frauen zu der Natur als positiv angesehen. Theoretiker:innen des kulturellen Ökofeminismus unterstützen eine essentialistische Assoziation von Frauen und Natur. Begründet wird dies damit, dass Frauen durch ihre reproduktiven Fähigkeiten, wie zum Beispiel ihr Menstruationszyklus und Gebärfähigkeit, stärkere Gefühle in der Verantwortlichkeit für andere und somit auch für die Natur entwickeln (vgl. Spindelböck 2019, S. 11). Jedoch gibt es verschiedene Ansätze in der Strömung des Ökofeminismus. Der soziale Ökofeminismus kritisiert die Nähe von Frauen zur Natur als eine gesellschaftliche herrschaftliche Zuschreibung. Diese rührt von der geschlechtshierarchischen Arbeitsteilung (vgl. Bauhardt 2012, S. 9f.). Die Kritik und damit eine Abkehr vom sozialen Ökofeminismus ist verbunden mit dem Niedergang des bipolaren Weltsystems und einer Weiterentwicklung des Feminismus hin zur Postmoderne, Poststrukturalismus und Konstruktivismus. Dazu trug unter anderem Judith Butlers Werk Gender Trouble bei (vgl. Spindelböck 2019, S. 17).
Bauhardt betont zudem die Verteilung von Arbeit, Macht und Besitz entlang der Geschlechter-, Klassen-, Kasten- und Rassenungleichheit, die gesellschaftliche Naturverhältnisse strukturiert.
Die weibliche Produktivität wird gesellschaftlich instrumentalisiert, um Frauen eine größere Nähe zur Natur zuzuschreiben und damit einen Ausschluss aus dem politischen und öffentlichen Leben und der Öffentlichkeit zu legitimieren. Die weibliche Produktivität wird als eine quasi-natürliche Ressource betrachtet.
Christine Katz bringt in diesem Kontext den Begriff Gender mit ein, welcher betonen soll, dass Geschlechterverhältnisse auf gesellschaftliche und somit veränderbare Prozesse und nicht auf biologische Ursachen zurückzuführen ist (vgl. Katz 2006, S. 206). „In der Geschlechterforschung geht es vor allem darum, die gesellschaftliche Festlegung dessen, was als typisch weiblich oder typisch männlich gilt“, so Katz (ebd.). Gender ist nicht nur eine sozial konstruierte Geschlechtsidentität. Judith Butler rechtfertigt in diesem Kontext, dass Gender und auch das biologische Geschlecht (sex) logisch erzeugt wird (vgl. Spindelböck 2019, S. 17f.). „Die Einteilung in die Kategorien männlich*/weiblich* ist demnach auch eine diskursive Konstruktion, welche eine angebliche natürliche Tatsache zum Vorwand nimmt, um Macht und Herrschaft über Frauen* oder Andere zu legitimieren“ (ebd., S. 18).

4.3 Queer Ecologies

Die Zuständigkeit von Frauen für die soziale Reproduktion und die geschlechtshierarchische Arbeitsteilung wird durch den sozialen und kulturellen Ökofeminismus mit dem Verweis auf die als natürlich gesetzte Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexue lle Fortpflanzung legitimiert. Die Queer Ecologie hinterfragt den Rückbezug auf natürliche Begebenheiten, weil der Blick auf die Natur immer schon durch die Zweigeschlechtlichkeit und heterosexuelle Reproduktion vorgeprägt ist (vgl. Bauhardt 2012, S. 11).
Es werden demnach durch die Queer Ecologie die scheinbar unerschütterlichen Gesellschaftsnormen in Frage gestellt. Der Rückbezug auf die Natur als nicht hinterfragbare Gegebenheit sei eine politische Strategie, so Bauhardt (vgl. ebd.). Mit den negativen Folgen menschlicher Reproduktionsweisen für die Umwelt werden durch politische Mächte Herrschaftsverhältnisse zwischen dem globalen Süden und dem globalen Norden und die Ausbeutung von Naturressourcen legitimiert (vgl. ebd.). Passend zu diesem Themenfeld der Queer Ecologies gibt es ein Interview von der Biologin und ehemalige Direktorin des kolumbianischen Forschungsinstituts für ökologische Ressourcen, Brigitte Baptiste, aus dem Jahr 2019 (vgl. Goethe-Institut Kolumbien 2019, S. 1). Sie behauptet in dem Interview, dass nichts queerer ist, als die Natur. Mit “queer“ ist das Eigenartige, Verquere und Sonderbare gemeint. Baptiste zieht die Identitätskategorien Mann/ Frau in Zweifel, da sie zur Regulierung und Kontrolle auferlegt wurden und nicht zur Befreiung. Darunter versteht sie, dass die Natur einzigartige Verhaltensweisen und außergewöhnliche Phänomene aufweist. Sie stellt also in dem Interview klar, dass der Ansatz der Queer Ecologies Abweichungen zulässt und die Natur mit Diversität spielt. Wird das Verhalten von Tieren eingehender betrachtet, kann festgestellt werden, dass homosexuelles, bisexuelles und transgender-Sexualverhalten völlig natürlich ist und somit die heteronormative Sichtweise aufgebrochen wird (vgl. Bauhardt 2012, S. 11). Bauhardt fasst dies als

„eine Umkehrung des Blicks von der kulturellen Konstruktion auf die materielle Basis von in der Natur beobachtbaren Prozessen, um von dort aus die als ’natürlich‘ konstruierte und über die Referenz zur Natur legitimierte menschliche Heterosexualität zu widerlegen. Zentral für diese Überlegungen ist die Dekonstruktion der Logik, die aus der Gebärfähigkeit des weiblichen Körpers die Zuständigkeit für die Fürsorgeverantwortung ableitet“

(Bauhardt 2012, S. 11)

Bauhardt appelliert hiermit, starre in der Gesellschaft verankerte Normen zu hinterfragen und bestenfalls aufzulösen.

5 Klimawandel als Beispiel für Geschlechterverhältnisse

Autorinnen: Carolin Meyer, Anne Sophia Knoll

In diesem Kapitel werden die drei theoretischen Forschungsschwerpunkte an einem praktischen Beispiel verdeutlicht. Hierfür werden Fragen nach Geschlechterverhältnisse und Natur am Beispiel des Klimawandels herangezogen. Unter Geschlechtergerechtigkeit wird verstanden, dass durch Fairness und Gerechtigkeit gewährleistet wird, dass Nutzen und Verantwortung zwischen Männern und Frauen gleich verteilt wird (vgl. EIGE 2021, S. 1). Sowohl der Klimawandel als auch die Geschlechtergerechtigkeit sind zentrale Querschnittsthemen in allen UN-Aktivitäten und Behörden geworden. Auch in UN-Organisationen werden sozial und kulturell produzierte Geschlechterhierarchien als Problem betrachtet (vgl. Bauriedl; Hackfort 2016, S. 95). „Die Gefahren des Klimawandels sind nicht geschlechtsneutral“ (ebd.). Diese Aussage stammt von der UN selbst.
Unterschiedlich ausgeprägt sind die Betroffenheit und die Verwundbarkeit durch Folgen des Klimawandels zwischen regionalen Räumen, Generationen, Einkommensgruppen, Berufsgruppen sowie Männern und Frauen. Auffällig sind die ungleichen Mortalitätsraten von Männern und Frauen bei Naturkatastrophen (vgl. ebd., S. 96). Zum Beispiel äußert sich dies in höheren Todeszahlen nach Flutkatastrophen von Frauen in vor allem islamisch geprägten Ländern (vgl. ebd., S. 95). Aufgrund der Tatsache, dass Frauen seltener schwimmen gelernt haben als Männer, aufgrund der Aufgabenteilung hinsichtlich der Kinderversorgung oder mangelndem Zugang zu relevanten Informationen sind Frauen bei Flutkatastrophen oftmals einem höheren Risiko ausgesetzt als Männer. Beispielhaft können hier auch Dürreereignisse genannt werden, bei denen die Verwundbarkeit von Frauen durch ihre Arbeit der Familien- und Haushaltsversorgung erklärt wird. Die sich verändernden klimatischen Verhältnisse führen dazu, dass Frauen immer längere Transportwege für die tägliche Trinkwasser- und Brennholzbeschaffung überwinden müssen.
In der Klimadebatte sind Geschlechterrepräsentationen normativ durch stereotypische Geschlechterbilder aufgeladen (vgl. ebd.). Frauen sind nach diesem Geschlechterbild also primär Mütter, Männer tendenziell in familiären Gemeinschaften abwesend. Zentrales Instrument der Klimapolitik, das zum Empowerment von Frauen im Globalen Süden beitragen soll, um die Lebenssituation von Frauen zu verbessern, sind marktbasierte Klimaschutzmaßnahmen des Clean Development Mechanism (CDM). CDM – zu Deutsch Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung. Die Klimaschutzprojekte des CDMs sollen dazu beitragen, den Klimawandel zu bekämpfen und eine Nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Diese Projekte beruhen auf Artikel 12 des Kyoto-Protokolls, welches 1997 von der 3. Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention von der Vereinten Nationen (UNFCCC) angenommen wurde und im Jahr 2005 in Kraft trat (vgl. DEHSt 2017, S. 1). Zum Beispiel werden die CDM-Projekte hauptsächlich von Frauen ausgeübt. Eine weitere Maßnahme ist der Einsatz von energieeffizienten Kochern, die Frauen Zeit und finanzielle Ressourcen für Bildung oder Arbeit verschaffen sollen (vgl. ebd., S. 97). Fördert dieses Hilfsangebot der CDM nicht nur das Zeitmanagement der Frauen, sondern vielmehr stereotypische Geschlechterbilder? Bauriedl und Hackfort reagieren darauf in ihrem Aufsatz Geschlechtsspezifische Verwundbarkeit wie folgt:

„In der Entwicklungsvorstellung der UN-Klimapolitik ist offensichtlich keine andere Zukunft vorstellbar als die, in der allein Frauen für die Sorgearbeit in der Familie und der Gemeinschaft zuständig sind und weiterhin einfachste Technologien benutzen. Neue Kocher werden jedoch nicht die Probleme einer patriarchalen Gesellschaft lösen und tragen in dieser Hinsicht nichts zum empowerment von Frauen bei – im Gegenteil“.

(Bauriedl; Hackfort 2016, S. 98)

6 Fazit

Im folgenden Fazit werden noch einmal die drei wichtigen theoretischen Forschungsschwerpunkte Feministische Ökonomie, Ökofeminismus und Queer Ecologies im Kontext der feministischen und queren, politischen Ökologie zusammengefasst.
Die feministische Ökonomie, d. h. die unentgeltlich geleistete Frauenarbeit, ist die Arbeit von Frauen für die Reproduktion der Gesellschaft. Diese wird auch noch heutzutage im Kapitalismus stillschweigend vorausgesetzt und somit gesellschaftlich angeeignet.
Der Ökofeminismus ist ein theoretischer Ansatz, welcher die soziale Reproduktion thematisiert.  Dieser natürliche Prozess wird von Frauen übernommen. Damit wird die Nähe der Frauen zur Natur erklärt. Die Kritik des Ökofeminismus ist die Ausbeutung menschlicher und natürlicher Reproduktion im Kapitalismus. Die Verbindung zwischen Frau, Mutter und Natur wie auch die Zweigliedrigkeit von Natur und Kultur werden in der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Macht- und Herrschaftsverhältnissen fokussiert.
Die Queer Ecologies ermöglicht einen neuen Blick auf gesellschaftliche Naturverhältnisse und erweitert die Perspektive der Kritik an der zur Natur erklärten heterosexuellen Reproduktion.
In diesem Fazit werden schlussendlich auch kritische Ansätze in Bezug auf die feministische und queere politische Ökologie betrachtet. Zum einen wird dichotomes Denken, also zwei sich gegenseitig ausschließende Dinge, in diesem Fall Frauen und Männer, durch den Gleichheitsfeminismus reproduziert. Dies führt zu einer möglichen Intensivierung der gesellschaftlichen Genderkonstruktionen, die dadurch bestärkt wird. Die Zuweisung der Umweltverantwortung an Frauen als Retterinnen der Natur wird zudem als moralisierende Überhöhung und auch als ein Festhalten an traditionellen Geschlechterverhältnissen gesehen. Es gibt jedoch verschiedene Formen von Feminismus. Der Differenzfeminismus stellt einen Gegensatz zum Gleichheitsfeminismus dar, indem davon ausgegangen wird, dass zwischen Männern und Frauen ein biologischer Unterschied besteht und der Differenzfeminismus nimmt hierbei die Positivität von Weiblichkeit in den Fokus.

7 Ausblick und Corona

Autorinnen: Carolin Meyer, Anne Sophia Knoll

Abschließend wird in diesem Kapitel auf einen interessanten, wichtigen und sehr aktuellen Artikel Corona und Care – Feministische Überlegungen in düsteren Zeiten von Prof. Dr. Christine Bauhardt hingewiesen, den sie im April 2020 im Tagesspiegel veröffentlichte. Hierin ist ihre Kernaussage, dass die Grundlage allen wirtschaftlichen Handelns die Versorgung von Menschen und ihrer unmittelbaren Lebensbedürfnisse ist (vgl. Bauhardt 2020, S. 1). Bauhardt weist darauf hin, dass personennahe Arbeit wesentlich geringer bezahlt wird als die Güterproduktion.
Abbildung vier bekräftigt diese Behauptung, dass jedes Individuum in unserer Gesellschaft auf unterschiedliche Art und Weise darauf angewiesen ist, dass verschiedene Bedürfnisse wie z. B. Nahrung, Versorgung, Zuwendung, emotionale Unterstützung erst einmal gestillt werden müssen. Diese Bedürfnisse werden vor allem von Frauen befriedigt, da die Abbildung vier zeigt, dass Frauen den größten Anteil der Beschäftigten in diesen Wirtschaftszweigen abdecken.
Z. B. arbeiten knapp 93 % Frauen in Kindergärten und Vorschulen. 76 % Frauen sind in Krankenhäusern beschäftigt und somit nur 24 % Männer. Wenn Homeoffice, Homeschooling, Einkaufen und die Bewältigung des Haushalts zusammenkommen, bedeutet das zusätzliche Arbeitsbelastung für Frauen in Zeiten von Covid-19.

Titel: In der Krise halten Frauen die Gesellschaft am Laufen. Statistik zum Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nach Wirtschaftszweigen (in %).
Abbildung 4: JANSON 2020, S. 1.

Bauhardt schließt ihren Artikel Corona und Care – Feministische Überlegungen in düsteren Zeiten mit folgenden Worten zur aktuellen Lage:

„Es ist nicht allein die Frage, wie ’die Wirtschaft’ nach der Corona-Krise wieder in Gang kommen soll. Das ist viel zu verkürzt. Die Frage ist, wie die sozialen Konflikte im Nahbereich wieder entschärft und die durch die Krise zugespitzten sozialen Ungleichheiten wieder korrigiert werden können. Ich befürchte ein „Business as usual“ – Die wiedererstarkte Wirtschaftsleistung wird mit steigenden Wachstumsraten verkündet, die Frauen dürfen den Müll wegräumen“.

(vgl. Bauhardt 2020, S. 1)

Durch dieses Zitat von Christine Bauhardt werden grundsätzliche Probleme innerhalb des Wirtschaftssystems Kapitalismus kritisiert. Bauhardt betont, wie “falsch“ und ungerecht es für viele Menschen in der Gesellschaft ist, wenn allgegenwärtig von dem “einem“ Wirtschaftsbegriff gesprochen wird. Dadurch werden, ob in den Medien berichtet und in der Politik konkret, die sozialen Bereiche, in denen viele Menschen und vor allem Frauen tätig sind, ausgeklammert und finden wenig bis keine Berücksichtigung, geschweige denn Anerkennung. Diese Missachtung hat zur Folge, dass Geld sehr verschieden “verteilt“ und somit in unterschiedlichen Berufsfeldern äußerst differenziert entlohnt wird. Hinzu kommt die ungleiche Bezahlung zwischen Männern und Frauen. Dies führt schlussendlich nicht nur zu einer noch stärkeren Betonung der Geschlechterunterschiede, sondern zudem zu geringsten Entlohnung für Frauen.

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